Mittwoch, 14. Oktober 2009

Vernetzung 2.0 – wir alle sind jetzt „Freunde“ – oder?


Alle (digitale) Welt spricht derzeit von Social-Media-Kompetenz – aber was ist das und wie sieht das in der Praxis aus? Tatsache ist, dass der Social-Media-Worker der Neuzeit oft zum Kontaktsammler und Informationsdistributor geworden ist, der vielfach schnell und unreflektiert Kontakte ohne ausreichende Prüfung eingeht, nur um seinen eigenen Wirkungskreis zu vergrößern. Mediale Quantitäten sind für die Informationsverbreitung sicherlich sehr wichtig, müssen aber trotzdem mit Vorsicht behandelt werden.

Beispiel: Kollege ABC schickt mir über ein großes Social Network eine private Nachricht, in der in etwa steht, dass er Herrn DEF aufgrund seiner rechten Umtriebe gerade aus seinem Netzwerk entfernt hat und rät mir dasselbe zu tun. Treffer! Der Mann befindet sich tatsächlich auf meiner persönlichen „Freundesliste“ und verbreitet dort rechte Parolen. Ich schaue mir das Profil an. In seinem Netzwerk befinden sich andere ähnliche Dummköpfe, die seine Kommentare mit mehr als zweifelhaften und politisch absolut unkorrekten Worten abfeiern. In diesen Momenten fühle ich mich plötzlich nicht mehr so sozial medienkompetent, wie ich es gerne hätte. Dabei wage ich zu behaupten, diesen Flash kennt wohl jeder, der sich auf das Wagnis Medien 2.0 eingelassen hat. Die Grenze zwischen Wissen, Vermutung und Spekulation, zwischen persönlichen Sympathien und Animositäten könnte fließender nicht sein.

Aber wie will man Social Media effektiv nutzen, wenn man nur unter Bekannten bleibt? Wenn das persönliche Netzwerk penibel genau abgestimmt bleibt auf personelle Fakten? Wie kann man sein Personal Branding nach vorne bringen, ohne ein Risiko einzugehen? Klare Antwort: gar nicht! Die Kehrseite immer schneller werdender Vernetzung heißt „fehlende Gründlichkeit“. Also bleibt bei allem Wagnis und aller Offenheit in unserem Job nur eine Konsequenz: „Do it - but proof it!“

Oder um Anton Bruckner zu zitieren: „Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen.“

2 Kommentare:

Christoph Salzig hat gesagt…

Sehr schön, dass ich mich auf diesem Wege wiederfinde. Ich finde das Thema so wichtig, dass ich mich in Kürze auch noch unter http://www.onetoblog.de dazu äußern werde.

Redaktionsbüro für Bild & Text hat gesagt…

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